Monthly Archives: January 2014

Hypothermie bei außerklinischer Reanimation (Teil 2 der Serie über aktuelle Entwicklungen in der präklinischen Notfallmedizin)

Mit einer deutlichen Verzögerung widmen wir uns dem zweiten Teil unserer Serie über aktuell oft diskutierte Arbeiten aus dem Bereich der präklinischen Notfallmedizin.

Für den Bereich der Reanimation gibt es trotz inzwischen zahlloser Forschungsergebnisse noch viele ungelöste Fragen und die Leitlinien von AHA und ERC im Jahr 2015 dürften einige Veränderungen beinhalten. Zwei kürzlich veröffentlichte Studien sorgen derzeit für einigen Gesprächsstoff betreffend der Einleitung einer Hypothermietherapie bei Patienten nach Reanimation.

Derzeit wird in den meisten Leitlinien eine Zielkörpertemperatur von 32-34 °C bei komatösen Patienten nach präklinischem Kreislaufstillstand empfohlen[1]. Genauere Erkenntnisse liegen hierzu allerdings noch nicht vor. Durch die Ergebnisse zweier Studien, die im Folgenden vorgestellt werden sollen, kündigte die ERC an, ihre Empfehlungen zur Einleitung der Hypothermie zu überprüfen[2].

Die erste Studie mit 950 Teilnehmern untersuchte zwei unterschiedliche Zieltemperaturen (33 °C und 36 °C) nach außerklinischem Herzstillstand. Überraschenderweise unterschieden sich beide Gruppen von Patienten nicht signifikant bezüglich Faktoren wie Mortalität und Neurologischem Outcome. Tatsächlich wies die 33 °C Gruppe sogar ein höheres Auftreten von Hypokalämie auf[3].
Aus den Zahlen kann man allerdings nicht schließen, dass die Einleitung einer Hypothermie keinen nachweisbaren Nutzen für die Patienten in der Studie hatte. Tatsächlich entspricht nämlich auch eine Zieltemperatur von 36 °C einem Temperaturmanagement, mit dem Fieber vermieden wird.

Eine zweite Studie aus King County in den USA mit 1359 Patienten untersuchte die präklinische Gabe von 2 Litern 4 °C kalter Infusionslösung direkt nach Auftreten eines Spontankreislaufs bis zum Eintreffen im Krankenhaus[4]. Trotz einer ca. 1 °C geringeren Körpertemperatur zum Zeitpunkt der Übergabe im Krankenhaus wurden keine signifikanten Verbesserungen bezüglich Mortalität und neurologischem Outcome verzeichnet. Tatsächlich wies die Interventionsgruppe (Kalte Infusionslösung) sogar eine Zunahme von erneuten Herzstillständen bis zum Eintreffen in der Klinik, pulmonalen Ödemen (die allerdings nach 24 Stunden reversibel waren) und einen erhöhten Einsatz von Diuretika auf.
Diese Resultate könnten die Gabe von kalten Infusionslösungen zum Temperaturmanagement für Patienten nach Herzkreislaufstillstand in der Präklinik durchaus in Frage stellen und die Suche nach alternativen Methoden wieder in den Vordergrund rücken. Die angekündigte Veröffentlichung der ERC zu diesem Thema kann daher mit Spannung erwartet werden.

Read more »

  1. 1. Mearns BM. Cardiac resuscitation: Therapeutic hypothermia after out-of-hospital cardiac arrest. Nat Rev Cardiol. 2014 Jan;11(1):5. Epub 2013 Dec 3.
  2. 2. ERC Statement on targeted temperature management: https://www.erc.edu/index.php/docLibrary/en/viewDoc/2083/3/
  3. 3. Nielsen N et al. Targeted temperature management at 33°C versus 36°C after cardiac arrest. N Engl J Med. 2013 Dec 5;369(23):2197-206. Epub 2013 Nov 17.
  4. 4. Francis et al. Effect of Prehospital Induction of Mild Hypothermia on Survival and Neurological Status Among Adults With Cardiac Arrest: A Randomized Clinical Trial. JAMA. 2014;311(1):45-52.