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Die präklinische Gabe von Sauerstoff Teil 2: Der Apoplektische Insult

Das Für und Wider um die generelle präklinische Gabe von Sauerstoff ist eine der interessantesten momentan stattfindenden Diskussionen. Um der Breite der Thematik einigermaßen gerecht zu werden, wurde der Artikel in zwei Abschnitte geteilt. Im ersten Teil wurde die Diskussion um die Sauerstoffgabe bei der präklinischen Behandlung des Myokardinfarkts behandelt, während sich dieser Teil mit der Sauerstoffgabe beim Apoplektischen Insult beschäftigt. 

Zu großer Unsicherheit beim Rettungsdienstpersonal führt derzeit auch die Frage nach der generellen Verabreichung von Sauerstoff beim Apoplektischen Insult.
In der rettungsdienstlichen Ausbildung wird gelehrt, allen Patienten mit Verdacht auf Schlaganfall Sauerstoff zu verabreichen. Hierbei wird angenommen, dass eine zusätzliche Gabe von Sauerstoff zu einer Verbesserung der Oxygenierung im Bereich der Penumbra führt und dadurch das Ischämieareal im Gehirn verkleinert wird. Dies soll zu einer Besserung der Symptome und zu einer Verbesserung der Prognose der Patienten führen.

Die aktuelle Leitlinie der deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) von 2008 empfiehlt dagegen die Gabe von Sauerstoff bei ischämischen Schlaganfall nur noch bei schwerer neurologischer Symptomatik und in einer Dosierung von 2-4 L/min.[1]
Grundlage für diese Empfehlung war eine Studie von Ronning und Guldvog[2]. In dieser Studie wurde die Gabe von Sauerstoff bei nicht-hypoxischen Schlaganfallpatienten untersucht. Das Ergebniss war, dass Patienten die niedrig-dosierten Sauerstoff bekamen und leichte bis mittelschwere Symptome zeigten, ein schlechteres Outcome hatten, als Patienten die keinen Sauerstoff erhielten. Nur Patienten mit schweren Symptomen schienen von der Sauerstoffgabe zu profitieren.

Im Jahr 2011 wurde eine kleinere Studie publiziert, die unter ähnlichen Bedingungen zu einem anderen Ergebnis als die Studie von Ronning und Gulvog kam.[3] In dieser Studie profitierte die Gesamtzahl der Schlaganfallpatienten von einer niedrig dosierten Gabe von Sauerstoff. Diese Ergebnisse sind bisher aber noch nicht in die aktuellen Leitlinien mit eingeflossen. Beide Studien müssen auch kritisch hinterfragt werden.

Wieder andere Studien sprechen sich hingegen für die möglichst frühzeitige Gabe von Sauerstoff in sehr hohen Dosierungen über Sauerstoffmaske aus. Unter anderem mit der Vorstellung, damit auch das Zeitfenster für die Lysetherapie zu vergrößern und eine Blutumverteilung im Gehirn zu bewirken. Eine Studie, die diese Therapie untersuchte, wurde wegen einer Häufung von Todesfällen in der Sauerstoffgruppe allerdings vorzeitig abgebrochen.[4]

Zu dieser Thematik werden im Moment größer angelegte Studien durchgeführt. Deren Ergebnisse müssen abgewartet werden, um endgültige Aussagen über den Nutzen oder den Schaden der Sauerstofftherapie beim apoplektischen Insult treffen zu können und festzulegen, welche Applikationsform und Dosierungshöhe verwendet werden sollte.

Eine umfassendere Darstellung des Themas und der Studienlage, von Leitlinien verschiedener Gesellschaften und Ansätze für weitere Recherche in dieser Thematik finden sich im vollständigen Artikel.

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  1. 1. Werner Hacke u. a.: Akuttherapie des ischämischen Schlaganfalls. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Schlaganfallgesellschaft (DSG) in der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, Stand Oktober 2008, Aktualisierung der Onlineversion im Mai 2009 (PDF Version)
  2. 2. Ronning OM, Guldvog B. Should stroke victims routinely receive supplemental oxygen? A quasi-randomized controlled trial. Stroke. 1999; 30:2033–2037.
  3. 3. Roffe C, Ali K, Warusevitane A, Sills S, Pountain S, et al. (2011) The SOS Pilot Study: A RCT of Routine Oxygen Supplementation Early after Acute Stroke— Effect on Recovery of Neurological Function at One Week. PLoS ONE 6(5): e19113. doi:10.1371/journal.pone.001911
  4. 4. Aneesh B. Singhal, MD. Normobaric Oxygen Therapy in Acute Ischemic Stroke Trial. National Institute of Neurological Disorders and Stroke (NINDS). 2012-11-26. URL:http://clinicaltrials.gov/ct2/show/study/NCT00414726?sect=X401235. Accessed: 2012-11-26. (Archived by WebCite® at http://www.webcitation.org/6CSgVAr8c)