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Neues aus der Neurologie: Intramuskuläre Gabe von Dormicum als Alternative beim Status epilepticus?

Abstract:

Im Februar 2012 wurde im New England Journal of Medicine die RAMPART Studie (Rapid Anticolvulsant Medication Prior to Arrival Trial)[1] veröffentlicht, die sich mit der präklinischen Behandlung des Status epilepticus auseinandersetzt.

Methode:

Die Autoren Silbergleit et al. führten eine randomisierte Doppelblindstudie durch, indem sie in der Kontrollgruppe die intravenöse Gabe von Tavor (Lorazepam) mit der intramuskulären Gabe von Dormicum (Midazolam) in der Versuchsgruppe untersuchten. Diese Studie wurde in den USA durchgeführt, einem Paramedic System ohne flächendeckende Beteiligung von Notärzten.

Einschlusskriterium war das Vorliegen eines Krampfanfalls, der länger als 5 Minuten andauerte und noch bei Eintreffen der Paramedics andauerte. Primärer Endpunkt war die Beendigung des Krampfanfalls bei Eintreffen in der Notaufnahme, festgestellt durch die einliefernden Paramedics. Sekundäre Endpunkte der Studie waren die Intubationspflichtigkeit, wiederholt auftretende Krampfanfälle und Zeitpunkt der Beginn der Therapie sowie Zeit bis zur Terminierung des Krampfanfalls nach Gabe der Medikamente.

Die zu überprüfenden Hypothese war, dass Dormicum i.m. appliziert der Gabe von Tavor i.v. appliziert nicht unterlegen war.

Ergebnis:

In der Gruppe, die mit Dormicum i.m. behandelt wurden, krampften 73,4 % der Patienten bei Aufnahme in der Notaufnahme nicht mehr. Bei der Gruppe mit Tavor i.v. waren es 63,4% (p<0,001). Dies war der primäre Endpunkt, der zugunsten der Dormicum-Gruppe ausgefallen ist.

Bei den sekundären Endpunkten gab es geringere Unterschiede. Es wurden in beiden Gruppen ähnlich viele Patienten in der Notaufnahme intubiert (14,1 % bei Dormicum und 14,4 % bei Tavor). Auch das Wiederauftreten von Krampfanfällen war vergleichbar (11,4 % bei Dormicum und 10,6 % bei Tavor). Deutlich schneller war der Beginn der Behandlung mit der i.m. Gabe von Dormicum nach Eintreffen der Paramedics (1,2 Minuten) gegenüber der i.v. Gabe von Tavor (4,8 Minuten). Dabei setzte die Wirkung von Dormicum erst nach 3,3 Minuten ein, während Tavor schon nach 1,6 Minuten Wirkung zeigte. Nebenwirkungen traten in beiden Gruppen vergleichbar oft auf.

Folgerung:

Die Autoren schließen aus ihrer Studie, dass die i.m. Gabe von Dormicum zumindest genau so sicher und effektiv ist, wie die i.v. Gabe von Tavor.

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  1. 1. Sibergleit et al.: Intramuscular versus Intravenous Therapy for Prehospital Status Epilepticus. N Engl J Med 2012;366:591-600.